Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Eifelquerbahn (Andernach - Mayen - Kaisersesch - Daun - Gerolstein)
reinout
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von reinout » Sonntag 27. Januar 2019, 00:51

Ich bin auch ein bisschen verwirrt :)
"Ausschreibung zur Abgabe von Eisenbahninfrastruktur": was wird damit gemeint?

- Eine Ausschreibung ist die öffentliche, schriftliche Aufforderung, Angebote für die in der Ausschreibung genannten Lieferungen oder Leistungen abzugeben. (Laut wikipedia).

- "Abgabe": klingt als ob der Eigner (DB) das Eigentum abgibt an... ja, wer?

Eine Kaufpreis von etwa €400.000 wird genannt. Versucht die VEB die Strecke namens die DB an die Gemeinden oder andere Interessierten zu verkaufen in die Hoffnung das Verkehr wieder aufzunehmen?
Das nennen von die 1 und 6 Millionen Euro für das Ertüchtigen der Strecke, das klingt nicht als "zur Stillegung Ausschreiben"!

Reinout
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Eifel215
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von Eifel215 » Montag 18. März 2019, 19:22

Jetzt geht es mit dem Radweg weiter https://www.rhein-zeitung.de/region/lok ... 48757.html

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Holger Lersch
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von Holger Lersch » Montag 18. März 2019, 19:48

Vor ein paar Jahren noch grosse Plaene die Strecke in den RLP Takt aufzunehmen mit durchgebundenen Zuegen bis nach Limburg und jetzt dann Radweg. Congrats.

:roll:
Pendleralltag im New Yorker Norden und Kölner Südwesten: http://www.fahrbier.de/

jwiessner
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von jwiessner » Montag 18. März 2019, 19:56

Das aktuelle vorgehen ist ein Widerspruch zur letzten Aussage aus dem Landrats-Amt. Dort hieß es noch Anfang Februar das die Anrainerkommunen die 3-Monatsfrist abwarten und die Situation im Anschluss bewerten wollen.

Was auch immer der Kreistag aktuell entscheiden mag, es hat erstmal keine direkten Auswirkungen. Die Strecke ist aktuell weder entwidmet noch stillgelegt, es ist allerdings ein sehr irritierendes Signal für eventuell vorhandene Interessenten zur Übernahme der Strecke. Es gilt jetzt erstmal abzuwarten wie sich die Situation nach dem Ende der Ausschreibungsfrist darstellt.

Unabhängig von der Entscheidung der Politik sehe ich durchaus eine Perspektive für die Eifelquerbahn, dies war auch der Grund warum ich die Initiative zur Gründung eines Vereins zum Erhalt der Eifelquerbahn ins Leben gerufen habe. Der Vorstoß aus Richtung der Politik bestätigt mich umso mehr darin das es richtig war jetzt aktiv zu werden. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle noch einmal allen die ein Interesse am Erhalt der Eifelquerbahn haben dazu einladen sich an der Gründung des Vereins zum Erhalt der Eifelquerbahn zu beteiligen.

Es ist wichtig zu zeigen, das durchaus ein Interesse am Fortbestand der Eifelquerbahn besteht. Die Vergangenheit hat schon öfters gezeigt das es sich durchaus lohnt, sich für den Erhalt von Eisenbahninfrastruktur aktiv einzusetzen.

Viele Grüße,
Jens
www.eifelquerbahn.com - Gemeinsam für den Erhalt der Eifelquerbahn

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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von jwiessner » Donnerstag 18. April 2019, 20:14

Nachffolgend unsere Pressemeldung zur Vereinsgründung

Neue Perspektiven für die Eifelquerbahn
Eifelquerbahn Verein gegründet – Eisenbahnunternehmen bekunden Interesse an der Strecke

Am Dienstag, den 16.04.2019 um 19:30 Uhr fand die Gründungsversammlung zum Eifelquerbahn e.V. statt. Nur wenige Meter vom Bahnhof Kaisersesch, dem aktuellen Endbahnhof der Eifelquerbahn, entfernt, fanden sich die 34 Gründungsmitglieder zur Gründung des Eifelquerbahn e.V. zusammen. Dass die Eifelquerbahn eine große Bedeutung und Anziehungskraft, weit über die Landkreise Vulkaneifel und Cochem-Zell hinaus, besitzt, zeigt sich an den zahlreichen Teilnehmern. So kamen die Gründungsmitglieder nicht nur aus der Region und dem Land Rheinland-Pfalz, sondern darüber hinaus auch aus den angrenzenden Bundesländern. Auch erhielt der Verein bereits im Vorfeld der Gründung zahlreiche Angebote der Unterstützung aus dem gesamten Bundesgebiet.

Gestartet wurde die Initiative zur Gründung des Vereins genau vor einem Monat, am 16. März 2019 mit dem Start der Homepage und den ersten Posts auf den verschiedenen Social-Media-Kanälen. Aufgrund der großen Resonanz auf die Initiative konnte bereits zwei Wochen später mit den Planungen zur Gründungsversammlung begonnen werden.

Das Vereinsziel, die Wiederinbetriebnahme der Eifelquerbahn, eröffnet der Region eine Vielzahl von Möglichkeiten. So zeigten die bis 2012 durchgeführten Freizeitverkehre wie mit einem interessant gestalteten Angebot der Tourismus von der Eifelquerbahn profitieren kann. Wie wichtig dies auch heute noch für die Region ist, zeigt das aktive Engagement des Verkehrsvereins Ulmen e.V. für den neu gegründeten Verein. Auch die Kombination von Bahn + Rad bietet einen großen Vorteil, so beginnt im Bahnhof Daun einer der schönsten Radwege Deutschlands, der Maare-Mosel-Radweg welcher über die Bahn für Touristen auf einfache und stressfreie Weise zu erreichen wäre.

In Zeiten, in denen das Thema Verkehrswende, getrieben durch Dieselskandal, immer mehr und längere Staus sowie den Weggang der Jugend aus den ländlichen Regionen eine immer größere Bedeutung gewinnt, ist eine funktionierende Infrastruktur abseits des Individualverkehrs von immenser Bedeutung für die Zukunft der Region. Über die Anbindung der Eifelquerbahn an Gerolstein und Andernach lassen sich die Großräume Trier, Koblenz oder Köln auch bequem über die Schiene erreichen. Mit einem abgestimmten Bus- und Bahnangebot kann die gesamte Region von einer durchgängig reaktivierten Eifelquerbahn profitieren. So können die umliegenden Dörfer durch ein optimiertes Busangebot direkt mit den beiden größten Bahnhöfen der Region, in Daun und Ulmen verknüpft werden.

Dass der Verein mit diesen Ansichten nicht alleine ist, zeigt das Interesse mehrerer Eisenbahnunternehmen an der Strecke. So haben im aktuellen Ausschreibungsverfahren mindestens zwei Eisenbahnunternehmen, die beide in Kontakt mit dem Verein stehen, ihr Interesse zur Übernahme der Infrastruktur gegenüber der DB Netz AG bekundet. Dies ist zum einem die Brohltal-Schmalspureisenbahn Betriebs-GmbH aus Brohl-Lützing, die mit dem Betrieb des „Vulkan-Expreß“ über eine mehr als 30-jährige Erfahrung in diesem Bereich verfügt. Zum anderen ist dies die Eifelbahn Verkehrs GmbH aus Linz. Sie ist seit gut 20 Jahren Betreiber der Kasbachtalbahn von Linz nach Kalenborn und hat erst Anfang April die Betriebsgenehmigung für die ersten Abschnitte der Brexbachtalbahn erhalten.
Als erstem Schritt hat der neue Verein geplant, die Öffentlichkeit rund um die aktuelle Situation der Eifelquerbahn und ihrer Perspektiven aufzuklären um das Projekt gemeinsam mit möglichst vielen Unterstützern anzugehen. Hierzu werden u. a. Flyer und Plakate flächendeckend verteilt. Parallel dazu laufen die weiteren Vorbereitungen zu ersten Arbeiten an der Strecke, um zeitnah nach dem Übergang der Infrastruktur an einen neuen Betreiber z.B. mit dem Freischneiden der Gleise beginnen zu können.
Wer den Verein bei seiner Arbeit unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, sich unter http://www.eifelquerbahn.com zu informieren.

Kötterichen, 18.04.2019
www.eifelquerbahn.com - Gemeinsam für den Erhalt der Eifelquerbahn

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Heiner Neumann
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von Heiner Neumann » Montag 20. Mai 2019, 13:12

Nach vorliegenden Informationen haben die Brohltalbahn und ein weiterer Bewerber ein Gebot zur Übernahme der Eifelquerbahn abgegeben. siehe auch hier:

https://www.eifelbahn-gerolstein.de/aktuelles/

Gruß

Heiner
Wenn Du ein Licht am Ende des Tunnels siehst, bete, dass es kein Zug ist :shock: !!!

Vertraue nur Deinem eigenen Hintern - denn nur er steht immer hinter dir!

jwiessner
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Pressemitteilung Eifelquerbahn e.V. vom 22.05.2019

Beitrag von jwiessner » Freitag 24. Mai 2019, 16:52

Signal auf Fahrt stellen – Positive Impulse für die Eifelquerbahn nutzen

Eifelquerbahn e.V. nimmt offiziell die Arbeit auf

Gut einen Monat nach der erfolgreichen Gründungsversammlung kann der Eifelquerbahn e.V. offiziell seine Arbeit aufnehmen. Am Montag, den 20.05.2019 erfolgte durch das Amtsgericht Wittlich die Eintragung ins Vereinsregister; die Anerkennung als gemeinnütziger Verein erhielt der Verein bereits am 03.05.2019 durch das Finanzamt Wittlich. „Wir freuen uns sehr, dass alles so reibungslos funktioniert hat, hier hat sich die entsprechende Vorarbeit bezahlt gemacht“, so Eifelquerbahn e.V. Vorsitzender Jens Wießner.

Es gilt nun noch in den nächsten Tagen die letzten Formalitäten zu erledigen, danach gehen die Beitrittsunterlagen per Mail an die bereits mehr als 100 registrierten Interessenten und werden für alle anderen auf der Vereinshomepage ( http://www.eifelquerbahn.com ) veröffentlicht.


Erste Kontakte und Aktivitäten geplant

Die vergangenen Wochen wurden durch den Vereinsvorstand bereits intensiv dazu genutzt, um Kontakt zur örtlichen Politik aufzunehmen und die Planung der ersten Aktivitäten voranzutreiben. Dazu ging Anfang Mai ein Schreiben an die Landräte, die Landtagsabgeordneten und die Bürgermeister der Verbandsgemeinden, in denen der Verein sich und seine Pläne näher vorstellt sowie die Unterstützung bei den Bemühungen zur Reaktivierung der Eifelquerbahn anbietet. Hieraus haben sich bereits erste Gespräche in den Kommunen sowie in der Landespolitik ergeben.

Bereits weit fortgeschritten sind die Planungen zur ersten öffentlichen Veranstaltung, der Teilnahme des Eifelquerbahn e.V. an der 4. Auflage von „Daun spielt!“ am 16.06.2019 in Daun. Ab 11:30 Uhr ist der Verein mit einem Infostand vor Ort. Getreu dem Motto der Veranstaltung wird es am Stand auch eine Spielmöglichkeit für Jung und Alt geben.


Reaktivierung der Eifelquerbahn

Die hohe Bedeutung der Eifelquerbahn für die Region Vulkaneifel zeigen die zahlreichen weiteren Aktivitäten in den letzten Tagen und Wochen. So wird die Eifelquerbahn in einer gerade vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der „Allianz pro Schiene“ veröffentlichten Broschüre zur Reaktivierung im Schienenpersonenverkehr empfohlen. Hierbei wird der Abschnitt Kaisersesch – Ulmen mit der Priorität „dringlich“, sowie der Abschnitt „Ulmen – Gerolstein“ mit der Priorität „hoch“ eingestuft.

Hierzu gilt es auch, die veranschlagten Kosten zur Reaktivierung neu zu bewerten. Einige der im Rahmen der Reaktivierungsbemühungen erstellten Gutachten liegen dem Verein seit Kurzem vor. Diese legen nah, dass die bisher veranschlagten Kosten zur Reaktivierung im regulären SPNV, zumindest in wichtigen Teilbereichen, deutlich zu hoch angesetzt wurden.

Ein Fachgespräch zur „Zukunft der Eifelquerbahn“ findet am 03. Juni 2019 um 19:00 Uhr im Forum Daun statt. Im Mittelpunkt wird hierbei ein Vortrag von Dr. jur. Martin Henke, Geschäftsführer Eisenbahnverkehr im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. zur „Perspektive der Reaktivierung von Bahnstrecken“ stehen.

Kötterichen, 22.05.2019
www.eifelquerbahn.com - Gemeinsam für den Erhalt der Eifelquerbahn

Rolf
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von Rolf » Freitag 24. Mai 2019, 18:35

Sehr gut!

Gerhard
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von Gerhard » Sonntag 9. Juni 2019, 17:56

Schön, dass sich ein Verein zum Erhalt der Eifelquerbahn zusammengefunden hat.

Ich bin in Trier aufgewachsen und habe in den 70er und 80er Jahren auf Familienausflügen noch ein bisschen was von der Landschaft und dem damals noch bestehenden Bahn- und Busnetz in der Eifel, im Hunsrück und an Mosel und Sauer mitbekommen. Vor zehn Jahren habe ich dann die Vulkaneifel noch etliche Male besuchen können, als im Sommer der Schienenbus täglich fuhr. Aber jetzt ist für mich als Nicht-Autofahrer diese Gegend wieder unzugänglich.

Vielleicht mal zum Vergleich: Derzeit wohne ich mit der Familie in Solothurn, und arbeite in Chur. Chur als Hauptstadt des touristisch geprägten Kantons Graubünden ist ohnehin gut mit ÖV versorgt - der Wechsel vom Stunden- auf den Halbstundentakt sowohl für die SBB-Linie nach Zürich, wie auch auf den regionalen Strecken der Rhätischen Bahn steht bevor. Auch die Postautos fahren i.d.R. stündlich.

Aber auch wenn ich von Solothurn aus sonntags früh zum Wandern in den dünn besiedelten Jura hinauffahre, fahren die Züge teils schon halbstündlich, teils immerhin stündlich. Sogar so unbedeutende wie der Triebwagen von Le Locle nach Les Brenets (1'000 Ew.) verkehrt von sechs Uhr morgens bis nach elf am Abend mindestens stündlich (am Wochenende danach noch ein Bus).

Noch ein Beispiel für die ungleich höhere Wertschätzung, die der ÖV in der Schweiz geniesst: In Chur brannte in einer Nacht im Januar d.J. das Postauto-Depot nieder, und die Hälfte der etwa fünfzig Postautos aller Grössen (vom 10 m-Bergbus bis zum Doppeldecker) wurden zerstört. Noch während des Brandes setzten sich aus der ganzen Schweiz Reserve-Postautos Richtung Chur in Bewegung, und am nächsten Morgen wurde der volle Fahrplan gefahren. ÖV gehört in der Schweiz eben zur Daseinsvorsorge.

Natürlich trete ich dem Verein wenigstens als passiver Unterstützer bei, und wünsche den Aktiven viel Erfolg!

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Zavelberg
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von Zavelberg » Sonntag 9. Juni 2019, 22:50

Moin,

man müsste nur mal den "Entscheidern" hier in der Region mal für drei Monate ´ne Parkkralle an alle PKW machen und
die kommunalen Dienstwagen abmelden :D :D :D :D

Gruß aus der Voreifel

Ralf

jwiessner
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von jwiessner » Freitag 28. Juni 2019, 12:45

In der Ausgabe vom 19.06.2019 stellte die Rhein Zeitung im Artiel "Die Wiederauferstehung der Eifelquerbahn?" die Frage warum die Reaktivierung der Eifelquerbahn nun doch möglich sein soll, obwohl sich die Ausgangslage nicht geändert habe.

Hierzu unser Leserbrief vom 24.06.2019:

Sehr geehrter Herr Rühle,

sie stellen in Ihrem Artikel vom 19. Juni 2019 die Frage warum die Reaktivierung der Eifelquerbahn nun doch möglich sein soll, obwohl sich anscheinend nichts an der Ausgangslage geändert habe.

Aber ist es wirklich so, dass sich nichts an der Ausgangslage geändert hat? Diese Frage würde ich mit einem klaren „Nein“ beantworten, und zwar aus folgenden Gründen:

Wie in jeder Berichterstattung zur Eifelquerbahn werden auch hier als Begründung für die nicht Reaktivierung die veranschlagten Kosten der beiden Gutachten genannt. Zum einen ist dies das BPB Gutachten zur Reaktivierung im SPNV, in welchem von Kosten in Höhe von 40 Millionen Euro gesprochen wird. Als kleine Lösung wurde dann die Reaktivierung für touristische Verkehre durch StadtLandBahn (SLB) untersucht, hier werden die Kosten mit 24 Millionen Euro angegeben.

Beide Gutachten liegen dem Eifelquerbahn e.V. mittlerweile als Kopie vor. Auf Basis dieser Informationen müssen die angegebenen Kosten zur Reaktivierung im SPNV stark in Zweifel gezogen werden. Hierzu möchte ich das Gutachten von StadtLandBahn zitieren:
  • BPB hat eine vollständige Erneuerung des Oberbaus mit altbrauchbaren Stoffen geplant und das Bodengutachten war auf diesen neuen Oberbau hin ausgelegt. Eine Rückfrage beim damals beauftragten Bodengutachter (Telefonat vom 11.12.2013) hat ergeben, das BPB die Standards für den Regel-SPNV zu hoch angesetzt hat.
  • Die Planung von BPB ging von 41 technisch zu sichernden Bü aus. Die Kosten dafür liegen bei 5.1749467,-€. Einige Bü davon sind bereits technisch gesichert, jedoch ist die Sicherungstechnik zu erneuern.
  • Dieser Aufwand ist insbesondere unter Beachtung der vorhandenen Verkehrsmengen deutlich zu hoch angesetzt. Die hohe Investition in eine technische Sicherung ist für die meisten Bü – insbesondere mit Wirtschaftswegen – nicht zu rechtfertigen.
  • Zitat BPB: "Die gesamte Gleisanlage hinterlässt optisch einen qualitativ schlechten Eindruck und assoziiert einen hohen Instandhaltungsrückstand. Dieser Eindruck wird durch die lückenhafte und in Teilen überalterte Aktenlage im Hinblick auf Inspektionspläne, Inspektionsberichte, Messdokumentationen etc. gefestigt".
    Dazu SLB: "Die Befahrung der Strecke am 20.11.2013 ergab ein im Vergleich zum Eindruck aus dem von BPB im Jahr 2012 angefertigten Gutachten relativ gutes Gesamtbild, auch wenn die Begutachtung nur stichprobenweise erfolgen konnte."
Alleine diese Aussagen lassen starke Zweifel an der Korrektheit der, im Gutachten zur Reaktivierung im SPNV, angegebenen Kosten aufkommen.

Wenn man sich dann das StadtLandBahn Gutachten im Detail anschaut findet man hier ebenfalls einige Punkte die die genannten Zahlen in einem anderen Licht erscheinen lassen:
  • Die Kosten für Infrastrukturmaßnahmen werden in der Regel, wie auch beim BPB Gutachten der Fall, als Nettopreise angegeben. Immer wenn vom StadtLandBahn Gutachten die Rede ist werden hier fälschlicherweise die Bruttokosten genannt. Bei den Nettokosten reden wir über Kosten von 20,4 Millionen Euro.
  • Das StadtLandBahn Gutachten enthält insgesamt Kosten in Höhe von ca. 6 Millionen Euro die als Risikoposition vorsorglich eingerechnet wurden, oder „Nice-to-have“-Optionen die für einen Betrieb von Vorteil, aber nicht nötig wären.
  • Die Kosten für Vegetationsarbeiten werden mit mehr als 1 Millionen Euro angegeben. Diese Maßnahmen könnten im Rahmen einer Reaktivierung durch die aktiven Mitglieder des Eifelquerbahn e.V. erbracht werden.
  • Das Gutachten versucht alle möglichen Eventualitäten abzudecken, die bei einem Betrieb innerhalb von 15 Jahren auftreten könnten, um so die Unterhaltungskosten für mindestens die nächsten 15 Jahre auf ein absolutes Minimum senken zu können.
Des Weiteren schreiben Sie auch, dass der Vorschlag einer Reaktivierung des Abschnitts Kaisersesch – Ulmen aus Kostengründen abgelehnt wurde. Laut den uns vorliegenden Informationen hat es nie eine gesonderte Kostenermittlung für eine abschnittsweise Reaktivierung gegeben.

Die Kosten in Höhe von 1 Millionen Euro zur Wiederinbetriebnahme der Strecke sind keine Behauptung, sondern den uns vorliegenden Unterlagen, die im Rahmen der Ausschreibung der Strecke durch die Vulkan Eifel Bahn und die DB Netz veröffentlicht wurden, zu entnehmen.

Es stellt sich auf die Frage wieso die veranschlagten ca. 20 Millionen Euro (netto) für eine Reaktivierung der Eifelquerbahn „weggeworfenes Geld“ sein sollen, aber die genannten 15-20 Millionen Euro für den Bau eines Radweges hier besser angelegt sind? Wenn die Kommunen nun bereit sind diese Summe für eine touristische Nutzung der Eifelquerbahn zu investieren, so sollte dies sinnvollerweise für eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebs sein.

Auch bemängeln Sie die Kostenbeteiligung in Höhe von 15% durch die Kommunen. Im Falle eines Radwegebaus würden die Kommunen aber ebenfalls an den Kosten beteiligt und müssten für die Instandhaltung aufkommen.

Abschließend noch ein ganz wichtiger Punkt. Alle Maßnahmen die im Rahmen einer Reaktivierung für touristische Verkehre umgesetzt werden, sind auch für eine spätere Reaktivierung im SPNV erforderlich. Dies bedeutet, dass die Kosten für eine spätere Reaktivierung im SPNV deutlich niedriger liegen werden und man mit einem NKU-Faktor von > 1 rechnen kann.


Mit freundlichen Grüßen,

Jens Wießner
Vorsitzender Eifelquerbahn e.V.
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Rolf
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von Rolf » Samstag 29. Juni 2019, 06:51

Sehr gut!

jwiessner
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Eifelquerbahn - Zahlen, Fakten, Mythen

Beitrag von jwiessner » Freitag 16. August 2019, 12:04

Nachffolgend unsere Pressemeldung zur Broschüre "Eifelquerbahn - Zahlen, Fakten, Mythen" die sich mit den Gutachten der letzten Jahre auseinander setzt:

Die Macht der (falschen) Zahlen – Warum der Zug in Kaisersesch endet

Seit Mitte 2000 fahren die RegionalBahnen (RB 38) von Andernach kommend wieder über Mayen hinaus über die Eifelquerbahn bis zum Bahnhof Kaisersesch. Damit ist seinerzeit die erste Stufe des 1998 durch das Ingenieurbüro Gehrmann erstellten Gutachtens zur Reaktivierung der Eifelquerbahn umgesetzt worden. Für die weiterführende Strecke Kaisersesch – Gerolstein war seinerzeit die Zeit noch nicht reif, als Vorlauf wurde ab 2001 allerdings ein regelmäßiger Touristikverkehr an Wochenenden eingerichtet.

Um diesen Streckenabschnitt ist seither und insbesondere nach der vorläufigen (?) Einstellung der Touristikverkehre 2012 eine lebhafte Diskussion entbrannt. Während einerseits die Reaktivierung des täglichen Nahverkehrs (SPNV) vom zuständigen Zweckverband im Rahmen des Konzepts „Rheinland-Pfalz-Takt 2015“ beschlossen worden ist, wurden andererseits immer höhere Kosten für die Reaktivierung ermittelt und die volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit damit in Frage gestellt. Vor Ort zeigt sich die Resignation der Politik nicht zuletzt in den jüngsten Beschlüssen, die Trasse in einen Radweg umzubauen. Doch was ist dran, an den Zahlen?


Standardisierte Bewertung und Reaktivierungsbeschluss

Aufbauend auf den Untersuchungen von Gehrmann im Jahr 1998 ist BPV Consult 2009 beauftragt worden, die Reaktivierung des Abschnitts Kaisersesch – Gerolstein auf einer aktualisierten Datenbasis zu untersuchen. Hierzu sind die erreichbaren Fahrgastpotenziale sehr sorgfältig ermittelt und auch die Kosten zur Ertüchtigung der Infrastruktur abgeschätzt worden. Diese und weitere Daten waren Grundlage für die sogenannte „Standardisierte Bewertung“, nach der deutschlandweit ÖPNV-Vorhaben nach einem einheitlichen Verfahren bewertet und auf ihren volkswirtschaftlichen Nutzen hin untersucht werden. Bei angenommenen Investitionskosten von rund 20 Mio. Euro wurde für den „Mitfall 3“, d.h. die Reaktivierung des Gesamtabschnitts Kaisersesch – Gerolstein ein äußerst positiver Nutzen-Kosten-Faktor von 1,79 ermittelt, d.h. die volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit nachgewiesen. Zur Erläuterung: Ein Vorhaben ist dann volkswirtschaftlich sinnvoll, wenn ein Wert über 1,0 erreicht wird.

Auf dieser Grundlage ist seinerzeit vom Zweckverband SPNV Nord die Reaktivierung beschlossen worden und die Entwurfs- und Genehmigungsplanung zur Ertüchtigung der Infrastruktur bei Büro BPB in Auftrag gegeben worden. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Teufelskreis aus fragwürdigen Zahlen, falschen Annahmen und fatalen Entscheidungen.


Fragwürdige Zahlenwerke

Das Koblenzer Fachbüro BPB begann 2011 im Auftrag des Landes und des Zweckverbandes SPNV Nord sodann mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung gemäß der HOAI-Leistungsphasen 1-4, die Voraussetzung für die Plangenehmigung bzw. Planfeststellung ist. Bei dieser intensiven Untersuchung der vorhandenen Infrastruktur erhöhen sich die Kosten von vormals rund 20 Mio. Euro (BPV) auf neu über 40 Mio. Euro. Nun kann eine intensivere Betrachtung der Infrastruktur naturgemäß auch Kostensteigerungen nach sich ziehen. Es besteht an dieser Stelle allerdings der Verdacht, dass BPB seitens des Auftraggebers zur Unterstellung deutlich überhöhter Standards gedrängt wurde, wohl mit dem Ziel, die Reaktivierung auf diesem Wege noch zu stoppen.

Was veranlasst zu dieser Annahme? Als wesentlicher Kostentreiber hat sich bei der Durcharbeitung der Unterlagen die vorgeschlagene zusätzliche Sicherung der vorhandenen Bahnübergänge entpuppt. Demnach sollen sogar einfache, kaum genutzte Feld- und Wirtschaftswege mit Halbschranken- sowie Lichtzeichenanlagen gesichert werden, was bisher nicht der Fall war, obwohl diese nachrangigen Bahnübergänge, bei entsprechend guter Einsehbarkeit, mit maximal 60 km/h befahren werden können. So ist es beispielsweise auch östlich von Kaisersesch auf dem aktiven Abschnitt der Strecke realisiert worden. Es ist daher kaum nachvollziehbar, warum im Abschnitt zwischen Kaisersesch und Gerolstein eine vergleichbare Sicherung der Bahnübergänge durch die Übersicht auf die Strecke sowie ergänzende akustische Signale der Züge nicht möglich sein soll.

Auch der Gleiskörper selbst ist ein wichtiger Bestandteil des BPB-Gutachtens und auch der größte Einzelposten mit mehr als 16 Millionen Euro. Während drei andere Gutachter (Gehrmann 1998, BPV 2009 und StadtLandBahn 2014) unabhängig voneinander zu dem Ergebnis kommen, dass sich die Strecke in einem überwiegend guten Gesamtzustand befindet und punktuelle Sanierungsmaßnahmen ausreichen, kommt das BPB-Gutachten abweichend zu dem Schluss, dass eine stark kostentreibende komplette Erneuerung des Streckenoberbaus notwendig ist.

Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, welch hohe Ausbaustandards hier gefordert wurden – letztlich mit dem einzigen Ziel, das Nutzen-Kosten-Verhältnis unter die Schwelle der Förderwürdigkeit (1,0) zu schieben. Dieses Ziel wurde 2012 erreicht, indem BPV beauftragt wurde, die Standardisierte Bewertung von 2009 mit den von BPB ermittelten neuen Infrastrukturkosten zu aktualisieren. Bemerkenswert ist dabei der ausdrückliche Hinweis von BPV, dass die Ergebnisse von BPB durch BPV gemäß Auftrag nicht weiter überprüft bzw. hinterfragt werden sollten! Im Ergebnis führt dies zu den offenbar gewünschten neuen Nutzen-Kosten-Quotienten von nur noch 0,37. Damit war die Förderwürdigkeit des Projekts durch das Land nicht mehr gegeben und die Reaktivierung des SPNV in weite Ferne gerückt.


Neubewertung dringend erforderlich

Die Diskrepanzen zwischen den Gutachten sowie insbesondere der unterstellte Ausbaustandard und der ausdrückliche Auftrag an BPV, diesen nicht zu hinterfragen, mehren die Zweifel an den zuletzt genannten Kosten von 40. Mio. Euro für eine Reaktivierung der Strecke. Ebenso sind die diskutierten 24 Mio. Euro für rein einen touristischen Verkehr zu hinterfragen, da viele Annahmen der hierzu erfolgten Untersuchung des Büros „Stand, Land Bahn“ auf den zu hohen Ansätzen von BPB aufbauen.

Es erscheint daher an dieser Stelle zur Versachlichung der Diskussion dringend geboten, die unterstellten Ausbaustandards kritisch zu hinterfragen und auf einer aktualisierten Datenbasis (Kosten und auch Nutzen) eine neue Standardisierte Bewertung durchzuführen. Gerade vor dem Hintergrund der Debatten um Klimaschutz und Verkehrswende können wir es uns schlichtweg nicht leisten, eine vorhandene Eisenbahninfrastruktur auf Grundlage äußerst fragwürdiger Zahlen für immer zu vernichten!


Großzügige Förderung möglich

Wird ein förderwürdiger Nutzen-Kosten-Quotient > 1,0 erreicht – und davon gehen alle Fachleute aus – besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer 85%-igen Förderung der Investitionskosten durch das Land. Die entsprechende Förderrichtlinie sieht sogar eine ebensolche Förderung für ein entsprechendes Gutachten vor. Voraussetzung ist allerdings, dass die Trasse in kommunalem Eigentum steht.

Die Kaufabsicht haben die Kreise und Kommunen bereits geäußert und teils beschlossen – allerdings für den Bau eines kaum günstiger ausfallenden Radwegs. Hier liegt es also nahe, diese voreilige und nicht mehr zeitgemäße Festlegung zu überdenken und stattdessen mit den interessierten Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU), der Eifelbahn aus Linz bzw. der Brohltalbahn aus Brohl-Lützing das Gespräch zu suchen und gemeinsam ein geeignetes Modell zu entwickeln, um die Eifelquerbahn in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.


Downloadlink Broschüre: https://www.eifelquerbahn.com/download/1050/
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Re: Neues zur (Nicht-)Reaktivierung

Beitrag von reinout » Freitag 16. August 2019, 12:23

Ich bin gespannt!
Vor einige Tage hatte ich die Broschüre schon gelesen. Da ist viel Arbeit hineingeflossen, wofür danke.

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