Telegraphenmasten im Ahrtal - Fluch und Segen

Ahrtalbahn (Remagen - Ahrbrück [- Dümpelfeld - Adenau])
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locotracteur
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Telegraphenmasten im Ahrtal - Fluch und Segen

Beitrag von locotracteur » Donnerstag 19. Dezember 2019, 20:37

Nach der an anderer Stelle beschriebenen Jagd auf den letzten Betriebstag der 143 auf der rechten Rheinseits kehrte der brave Rheinländer auf die linke Seite zur Übernachtung nach Remagen zurück. Das Hotel lag direkt am Bahnhof, 17:50 sollte es mit dem Zug nach Ahrweiler zum Weihnachtsmarkt gehen.

Der Zug fuhr bis Ahrweiler und stand dort längere Zeit, bis ein Fahrgast auf dem Infodisplay las, dass die Fahrt dort endete. Irgendwann kam eine Durchsage, dass auf dem kurzen Stück bis zu unserem Ausstiegshalt Ahrweiler-Markt ein Telegraphenmast auf den Schienen läge. Der Gegenzug hing dort fest, es hatte nach meinem Informationsstand weder Personen- noch Fahrzeugschaden gegeben. Viele Fahrgäst machten sich zu Fuß auf den weiteren Weg, was wir auch gemacht hätten, wenn die beste Eisenbahnergattin von Allen nicht temporär in ihrer Mobilität stark eingeschränkt gewesen wäre.

Weitere Informationen gleich Null. Ich konnte dem Tf die Aussage abringen, dass der Zug in ca einer halben Stunde nach Remagen zurückkehren sollte. Dies teilte ich den auf dem Bahnsteig Richtung Remagen wartenden und orientierungslosen Fahrgästen mit. Es bedurfte dann einer gewissen Überzeugungsarbeit, den Zug zum Warten nutzen zu dürfen. Die Bahn war mit sich selber beschäftigt, ob gestrandete Fahrgäste im Regen stehen, interessierte niemanden.

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Irgendwann nahm der Fdl dann die Ausfahrt Richtung Remagen zurück, während die Feuerwehr zum Freiräumen der Strecke anrückte, was im Dunkeln nur duch das Blaulicht zu sehen war. Im Stellwerk brach hektische Aktivität aus, der Fdl versuchte wohl einen feststehenden Weichen- oder Signalhebel zu ziehen. Auch möglich, dass irgend etwas in der Fahrstraßenverriegelung klemmte. Zwischendurch wurde heftig telefoniert. So konnte das Signal für unsere Ausfahrt jedenfalls nicht gestellt werden.

Die einzige Information für die Fahrgäste bot das Display:

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Irgendwann waren 3 Mann im Stellwerk und lange nach der avisierten Zeit fuhr der Zug los. Tatsächlich wechselte der Triebwagen auf das richtige Gleis. Unterwegs mussten 2 BÜ von Hand geschlossen werden, es dauerte lange, bis wir in Bad Neuenahr Einfahrt erhielten. Dort musste man einen Gegenzug abwarten.

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Auch diese Wunschzeit war nicht zu halten:

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Kurz vor 20 Uhr kamen wir dann endlich in Remagen an. Dieser an sich kleine Zwischenfall hat das System DB offensichtlich schon an seine Grenzen gebracht. Was einige Fahrgäste zurecht aufgebracht hat, war die miserable Information. Früher waren Faustkeil und Fackel überlebenswichtig, heute ist es die Bahn-App...

Am nächsten Morgen war noch Gegelegenheit, sich auf dem Bf von Remagen umzusehen. Einige Eindrücke des Betriebes am frühen Sonntag-Morgen:

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Der Verkehr ins Ahrtal lief scheinbar wieder planmäßig:

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Der Weihnachtsmarkt in Ahrweiler wurde um die Mittagszeit bei strahlendem Sonnenschein nachgeholt. Auf dem Heimweg gab es noch den obligatorischen Halt in Dernau, wobei der erwartete Dernau-Pendel fast +20 hatte:

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Da nach dem gestrigen Vorfall wohl damit zu rechnen ist, dass den Telegraphenmasten kein langes Leben mehr beschieden ist, durften sie im dunstigen Gegnlicht bei der Einfahrt der RB30 noch einmal richtig zur Geltung kommen:

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Vor genau einem Jahr stand ich etwas früher am Morgen an der gleichen Stelle. Nur waren die Temperaturen deutlich unter Null und die Landschaft weiß gezuckert.


Nach Ausfahrt der RB hielt ich noch kurz in Kreuzberg (Ahr) an. Dort stand 622 001 (wie so oft) auf Reserve,
während 620 038 einen Halt auf dem Weg nach Ahrbrück einlegte:

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Fazit: Die für uns reizvolle Zutat an der Strecke nimmt scheinbar langsam einen gefährlichen Wartungszustand an, für den Betrieb nicht mehr tragbar. Fluch und Segen!


Franz-Josef
Zuletzt geändert von locotracteur am Donnerstag 19. Dezember 2019, 20:56, insgesamt 2-mal geändert.

Rolf
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Re: Telegraphenmasten im Ahrtal - Fluch und Segen

Beitrag von Rolf » Donnerstag 19. Dezember 2019, 20:49

Vielen Dank für den sehr interessanten Bericht. Die Tele-Aufnahmen gefallen mir besonders gut. Und das Abenteuer in Ahrweiler ist heutzutage leider eher Regel als die Ausnahme. Als Nutzer der Bahn wird man regelrecht im Regen bzw. im Dunkeln links liegen gelassen. Das habe ich auch schon sooft erlebt und nur selten anders. Ein Trauerspiel.

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