Zug könnte mit Solarkraft fahren

Bördebahn (Düren - Zülpich - Euskirchen)
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Big Steve
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Zug könnte mit Solarkraft fahren

Beitrag von Big Steve » Freitag 27. April 2012, 20:44

http://www.euskirchen-online.ksta.de/ht ... 8845.shtml

Große Konjunktur hat angesichts steigender Treibstoffkosten die Forderung nach E-Mobilität. Gemeint sind in der Regel elektrisch angetriebene Fahrräder oder Autos. Ihre Antriebsenergie nehmen sie aus modernen hochleistungsfähigen Akkumulatoren. Auch die Eisenbahnexperten Wolfgang Müller und Hansbert Schruff, beide vom Arbeitskreis Eifelbahnen, reden von E-Mobilität – und denken dabei an einen im Akku-Betrieb fahrenden Zug.
Dabei richtet sich ihr Interesse speziell auf die Bördebahn, die mit einem solchen System vergleichsweise preiswert reaktivierbar wäre. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, wollen sie den Zug als „Solar-Express“ mit regenerativ gewonnenem Strom antreiben, so dass es sich nicht nur verkehrstechnisch, sondern auch umweltpolitisch um ein hochinteressantes Pilotprojekt handelt. Schruff und Müller sind kühle Rechner, und sie haben inzwischen einige wichtige Helfer überzeugen können.

Wissenschaftler der RWTH Aachen (Institut für Schienenfahrzeuge und Fördertechnik) sind neben dem Arbeitskreis Eifelbahnen ebenso mit im Boot wie die IHK Aachen sowie die Kreise Düren und Euskirchen. In großer Gesprächsrunde wurde kürzlich bei der IHK das Projekt skizziert und beraten, welche weiteren Schritte erforderlich sind. Unter anderem wird noch ein Fahrzeughersteller gesucht, zudem müsste ein Finanzierungsantrag gestellt werden.

Die Rurtalbahn, letztlich ein Kind des Kreises Düren, betreibt in Düren eine Zugwerkstatt, in der der „Solar-Express“ gewartet werden könnte.Aachen arbeitet derzeit an einem Projekt namens „Campus-Bahn“. Dabei handelt es sich um eine Straßenbahn, die teilweise ebenfalls auf die moderne Akku-Technik setzt. Für den „SolarExpress“ bieten sich da Kooperationsmöglichkeiten an.

Auf Forschungsmittel angewiesen

Klar ist: Je mehr regionale Akteure im Boot sind, desto erfolgversprechender ist ein Förderantrag. Die sonstigen Randbedingungen sind laut Müller hervorragend: In Jülich gibt es Experten für Stromspeichertechnik, in Aachen einen Triebwagenhersteller, und die Bördebahn, die derzeit als „totes Kapital“ im Boden liegt, stünde kostenlos zur Verfügung. Achim Blindert, Umweltdezernent von der Kreisverwaltung Euskirchen, wies auf Probleme hin: Noch sei das Interesse der Fahrzeughersteller „überschaubar“, man sei auf Forschungsmittel angewiesen und auf eine feste Zusage der RWTH. Aber für den Kreis Euskirchen sei das Projekt „ein Thema, das ernsthaft verfolgt wird“.

Ähnlich sieht das Blinderts Dürener Kollege Walter Weinberger: „Uns geht es um die Reaktivierung der Bördebahn. Da kam die Idee ganz gut an.“Und nicht nur das: Der Kreis Düren habe den „SolarExpress“ mittlerweile als mögliches Projekt für das Programm „Innovationsregion Rheinisches Revier“ angemeldet. Weinberger bestätigte, dass auch die RWTH bei einem Gespräch Interesse an dem Projekt bekundet habe.

Auch für Monika Frohn, Gruppenleiterin Handel und Verkehr, bei der IHK Aachen, ist das „ein sehr charmanter Ansatz für nicht elektrifizierte Strecken“.

So völlig neu ist der Akku-Antrieb für Schienenfahrzeuge nicht. Speziell auf der Bördebahn verkehrte bis zur Streckenstilllegung ein solcher Zug. Er musste noch mit alten Stromspeichern arbeiten. Das führte dazu, dass der Akku damals satte 22 Tonnen auf die Waage brachte. Aber bei Schienenfahrzeugen spielt das Gewicht eine Nebenrolle. Entscheidend ist die Leistungsfähigkeit, und schon das alte System ließ den Zug damals sicher bis zu 350 Kilometer weit rollen, bevor er an die Steckdose musste.

Verbesserte Akkuleistung

Müller und Schruff schätzen, dass sich die Leistungsfähigkeit der Akkus seither verdreifacht hat. Das würde bedeuten, dass Reichweiten von 1000 Kilometern problemlos möglich sind. Mit einem modernen System sollte es nach Müller machbar sein, dass der Zug beim Wechsel von Diesel-Strecken auf elektrifizierte Strecken die Stromabnehmer hochfährt und dann beim Fahren die leeren Akkus wieder auflädt. So etwas könnte der Fall sein, wenn man die Bördebahn als Teil einer überregionalen Verbindung, als Querspange aus den Niederlanden bis nach Bonn unter Umgehung des „Kölner Knotens“, betrachte.

Bei einer solchen „Durchbindung“ ließen sich laut Schruff und Müller sogar Betriebskosten in Millionenhöhe einsparen, weil die Standzeiten der Züge an den bisherigen Endpunkten der Strecke in Fahrzeiten umgewandelt werden könnten und sich der Neukauf von Zügen für die Bördebahn somit erübrige.

Nötig wären nun politische Willensbekundungen der beiden beteiligten Kreise Euskirchen und Düren in dem Sinne, dass sie am Projekt E-Mobilität beteiligt werden möchten. Müller: „Eigentlich müssten jetzt die Kreise die Förderanträge stellen.“

Lupushortus
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Re: Zug könnte mit Solarkraft fahren

Beitrag von Lupushortus » Samstag 28. April 2012, 10:54

Interessantes Konzept. Hinzu kommt, dass man die Akkus auch nachts laden könnte, wenn die Strompreise niedriger sind. An der Strombörse gab's nachts durchaus schon mal negative Strompreise, d.h. man bekommt (als Großabnehmer) Geld bezahlt, wenn man Strom verbraucht.

Wobei die Bahn-Industrie mitterweile viel Erfahrung hat, Hybrid-Fahrzeuge aller Art auf die Gleise zu stellen (Diesel/Elektrisch/Akku, Tfz nach EBA/BOStrab, etc.).

Man muss es nur wollen...

Viele Grüße
Marco

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kpo9
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Re: Zug könnte mit Solarkraft fahren

Beitrag von kpo9 » Samstag 28. April 2012, 11:02

Schön wenn überhaupt etwas täglich fahren würde!

Man muss es nur wollen... :twisted:

Danach kann man immer noch über einen Energiemix-Antrieb reden... :mrgreen:

KPO9
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Lupushortus
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Re: Zug könnte mit Solarkraft fahren

Beitrag von Lupushortus » Samstag 28. April 2012, 16:16

kpo9 hat geschrieben:Schön wenn überhaupt etwas täglich fahren würde!
Tut es ja: SB98 :twisted:

...und jetzt schnell weg hier :mrgreen:

aldiator
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Re: Zug könnte mit Solarkraft fahren

Beitrag von aldiator » Samstag 28. April 2012, 22:24

Guten Abend,

also Fortschritt sehe ich da jetzt nicht wirklich, muss ich jetzt mal ganz ehrlich sagen. Klar Solar ist bei Triebwagen neu, jedenfalls glaube ich das, aber die Technik gibt es auch schon seit einigen Jahren.

Und Akkutriebwagen mit echtem Mechernich Blei gibt es auch schon Ewigkeiten (Anfang 19xx gab es schon welche). Diese waren sogar jahrelang im VRR als "Kultfahrzeuge" eingesetzt und fuhren im Bereich Aachen. Als Beispiel hier der Triebwagens ET-515.


Das Ganze heißt natürlich nicht, dass ich den Vorschlag schlecht finde, aber ich glaube es erst, wenn ich es mit eigenen Augen sehe. Da wäre ich lieber für eine Reaktivierung mit Dieseltriebwagen. Bei der Reaktivierung einfach die Euregio-Bahn von Düren nach Euskirchen oder gar Bonn durchbinden. Das wäre wesentlich sinnvoller. Die Talents (BR-643.2) sollten sich für die Strecke eigentlich eignen und durch Ersatzverkehre in Euskirchen bestens vertraut.

Dennoch hoffe ich, dass bald wieder etwas fährt und man nicht auf den Bus(kutscher) angewiesen ist.

Gruß aldiator
Die Bahn hat ein Talent(, um) zu spät zu kommen!

Wolfgang Müller
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Re: Zug könnte mit Solarkraft fahren

Beitrag von Wolfgang Müller » Mittwoch 16. Mai 2012, 01:10

Hallo aldiator,

das es solche Triebwagen mal gab ist richtig, ich selbst bin damit noch gefahren, deshalb wurde in dem Bericht darauf auch verwiesen. Was sich aber in der Zwischenzeit wesentlich verändert hat sind die Einsatzbedingungen.

War damals das billige Öl eine der wesentlichen Argumente auf Dieselantrieb zu setzen, ist es heute genau umgekehrt. Dazu kommen Fragen der Energiewende, des Klimawandels und der Möglichkeit Betriebskosten zu senken. Dazu haben sich einige Techniken erheblich weiterentwickelt, andere sind dazu gekommen. Das war die Frage, ob man darüber einmal nachdenken sollte. Neu ist auch der Einsatz von Wärmepumpen (siehe Klimanlagen) in Schienenfahrzeugen.

Da ist z.B. der Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akku, der heute die 5 bis 6 fache Energiemenge speichern kann als der gute alte Bleiakku von damals, bei gleichem Gewicht. Aus 310 km Reichweite beim Bummelzug von damals, kommt man heute auf etwa 1000 km und mehr, je nach Einsatzart des Zuges. Dazu kommt die elektrische Nutzbremse, welche die Rechweite bei den ETA 176 um bis zu 30% vergrößerte. Sie wurde ja dann in die E-Loks und Triewagen übernommen und ist heute eine Selbstverständlichkeit bei E-Betrieb.

Was aber sehr interessant ist, ist der trotzdem sparsame Betrieb der ETA´s. Bei den Messfahrten ergaben sich Verbrauchsdaten, wenn man sie in Benzin- oder Dieselkraftstoff umrechnet was einem großen und schweren PKW gleichkommt: Bummelzug 142 kWh je 100 km = 15,76 Liter, Eilzug 120 kWh je 100 km = 13,22 Liter und D-Zug München - Frankfurt/Main 73 kWh je 100 km = 8,07 Liter Benzin oder Diesel umgerechnet! allerdings ohne Heizleistung. Erzeugt man diesen Energiebedarf durch eine Solaranlage in der nähe der Strecke, kommt man zu einem höchst umweltfreundlichen Betrieb.

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